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acum» heisst nämlich so viel wie «dem Scen-

tinius gehörendes Landgut».

Oberflachs wird im Jahr 1301 erstmals ur-

kundlich erwähnt; der Name stammt aus dem

Althochdeutschen: «ze dero obarun flahidu»

bedeutet «bei der oberen flachen Stelle». Das

Ortswappen mit drei gekreuzten Flachsblu-

men ist demnach eine sehr freie Interpreta-

tion des Ortsnamens. Dieselbe Freiheit nah-

men sich übrigens die Schinznacher heraus.

Ihr Wappen mit Mond und Sternen illustriert

eine volkstümliche Auslegung des Ortsna-

mens: Schinznach «schiint z'Nacht».

Im Mittelalter standen Schinznach und

Oberflachs unter habsburgischem Regime,

dessen Lehnsherren zunächst auf der Burg

Schenkenburg residierten, später auf Schloss

Kasteln. 1460 eroberte die Stadt Bern die

Herrschaft Schenkenberg und machte sie

zur Landvogtei. Der Berner Adlige Oberst Jo-

hann Ludwig von Erlach erwarb die Herrschaft

Kasteln 1631 und liess die Burg Kasteln zum

heutigen Schloss ausbauen. Seine Grabstät-

te befindet sich bis heute in der Kirche von

Schinznach-Dorf. 1798 machten die Franzo-

sen der Berner Herrlichkeit ein Ende

und riefen die Helvetische Republik

aus. Schinznach-Dorf und Oberflachs

wurden Gemeinden des neuen Kan-

tons Aargau.

Bis weit ins 19. Jahrhundert war

der Weinbau der Treiber des Wachs-

tums beider Gemeinden. Dessen

schweizweite Krise, hervorgerufen

durch Rebkrankheiten und zunehmen-

de Billigimporte, hinterliess auch im Tal

markante Spuren und führte zu einem

Bevölkerungsrückgang. Erst Mitte des

20. Jahrhunderts erholte sich die Bran-

che, und die Zahl der Einwohner nahm

wieder zu, auch weil zeitgleich der

wirtschaftliche Aufschwung nach dem

zweiten Weltkrieg neue Unternehmun-

gen ins Tal brachte.

Naturraum als Privileg

Wer sich den Verlauf der grossen Ver-

kehrsachsen im Schweizer Mittelland

anschaut, mag mäkeln, Schinznach lie-

ge «weg vom Schuss»: Eisenbahn und

DIE GEMEINDE

Frei durchatmen:Winterstimmungmit Blick auf denHausbergGrund.